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Hormone & Haarausfall Ursachen erkennen & behandeln

Hormone und Haarausfall: Welche Botenstoffe Ihr Haar steuern – und was wirklich hilft

Wenn plötzlich mehr Haare in der Bürste hängen bleiben, der Scheitel breiter wirkt oder der Zopf sich dünner anfühlt, liegt die Ursache erstaunlich oft nicht auf der Kopfhaut, sondern im Hormonhaushalt. Östrogen, Testosteron, Schilddrüsenhormone und selbst das Stresshormon Cortisol greifen tief in den Wachstumszyklus jedes einzelnen Haares ein. Verschiebt sich dieses fein austarierte Gleichgewicht, reagiert das Haar – meist mit zwei bis vier Monaten Verzögerung.

In diesem Ratgeber erfahren Sie, welche Hormone welche Art von Haarausfall auslösen, warum Frauen in den Wechseljahren und nach der Geburt besonders betroffen sind, wie Sie eine hormonelle Ursache von anderen Auslösern unterscheiden und welche Behandlungen tatsächlich belegt sind – inklusive einer ehrlichen Einordnung des viel diskutierten Themas bioidentische Hormone.

Das Wichtigste in Kürze

  • DHT ist der Hauptübeltäter. Der häufigste Haarausfall – die androgenetische Alopezie bei Frauen wie Männern – wird durch das Testosteron-Abbauprodukt Dihydrotestosteron (DHT) verstärkt.
  • Östrogen schützt das Haar. Fällt der Östrogenspiegel ab (Wechseljahre, nach der Geburt, Absetzen der Pille), wird das Haar dünner.
  • Die Schilddrüse wird oft übersehen. Sowohl Über- als auch Unterfunktion lösen diffusen Haarausfall aus – und sind gut behandelbar.
  • Kreisrunder Haarausfall ist nicht hormonell, sondern eine Autoimmunerkrankung. Hier helfen andere Therapien.
  • Normale Hormonwerte schließen hormonellen Haarausfall nicht aus – oft sind nur die Haarwurzeln überempfindlich.
  • Zuerst die Ursache klären, dann behandeln. Hormone auf Verdacht einzunehmen ist wirkungslos und riskant.
  • Geduld ist entscheidend: Erste Erfolge einer Behandlung zeigen sich frühestens nach drei bis sechs Monaten.

Warum Hormone über Ihr Haar bestimmen

Jedes Haar durchläuft einen immer wiederkehrenden Zyklus aus drei Phasen:

  1. Wachstumsphase (Anagen): Das Haar wächst aktiv, oft über mehrere Jahre. Normalerweise befinden sich 85 bis 90 Prozent aller Haare in dieser Phase.
  2. Übergangsphase (Katagen): Das Wachstum stoppt, die Haarwurzel zieht sich zurück. Diese Phase dauert nur wenige Wochen.
  3. Ruhephase (Telogen): Das Haar ruht, fällt schließlich aus, und ein neues wächst nach.

Täglich 50 bis 100 Haare zu verlieren, ist deshalb völlig normal. Hormone sind die eigentlichen Taktgeber dieses Zyklus: Sie entscheiden, wie lange die Wachstumsphase dauert, wie kräftig ein Haar nachwächst und wann es in die Ruhephase übergeht.

Gerät der Hormonhaushalt aus dem Takt, verschieben sich die Anteile. Mehr Haare gehen gleichzeitig in die Telogenphase, die Wachstumsphase verkürzt sich, und nachwachsende Haare werden feiner. Weil sich das erst Wochen später zeigt, ist der Auslöser oft schwer zu erkennen. Und weil manche Kopfhautregionen genetisch empfindlicher auf bestimmte Botenstoffe reagieren als andere, lichtet sich das Haar bei hormonellem Ausfall meist in typischen Mustern statt gleichmäßig überall.

Welche Hormone bei Haarausfall eine Rolle spielen

Nicht ein einzelnes Hormon ist verantwortlich, sondern ihr Zusammenspiel. Diese Übersicht zeigt die wichtigsten Akteure auf einen Blick:

Hormon Wirkung auf das Haar Was bei einem Ungleichgewicht passiert
Östrogen Verlängert die Wachstumsphase, schützt das Haar Abfall → Haar wird dünner, fällt vermehrt aus
Progesteron Bremst die Umwandlung von Testosteron zu DHT Abfall → Androgene wirken stärker
Androgene (Testosteron/DHT) DHT lässt empfindliche Haarwurzeln schrumpfen Überschuss oder Empfindlichkeit → mustergemäßer Haarausfall
Schilddrüsenhormone Steuern den gesamten Haarstoffwechsel Über- oder Unterfunktion → diffuser Haarausfall
Prolaktin Beeinflusst den Haarzyklus indirekt Erhöhung → möglicher Haarausfall
Cortisol (Stress) Stört bei Dauerbelastung den Zyklus Chronisch erhöht → diffuser, telogener Ausfall

Was hinter den einzelnen Hormonen steckt, lohnt einen genaueren Blick.

Östrogen – der Schutzfaktor

Östrogen verlängert die Wachstumsphase und hält das Haar länger aktiv. Ein hoher Spiegel sorgt deshalb oft für volles Haar – am deutlichsten in der Schwangerschaft. Fällt der Östrogenspiegel dagegen ab, etwa nach der Geburt oder in den Wechseljahren, verkürzt sich die Wachstumsphase, und mehr Haare fallen gleichzeitig aus.

Progesteron – der stille Partner

Progesteron hemmt das Enzym, das Testosteron in seine haarschädigende Form umwandelt. Sinkt der Progesteronspiegel – wieder typisch in den Wechseljahren –, kann das die Wirkung der Androgene verstärken.

Androgene: Testosteron und DHT – die häufigsten Übeltäter

Entscheidend ist nicht das Testosteron selbst, sondern sein Abbauprodukt Dihydrotestosteron (DHT). Das Enzym 5-Alpha-Reduktase wandelt Testosteron in DHT um. An genetisch empfindlichen Haarwurzeln bewirkt DHT, dass die Follikel schrumpfen: Die Haare werden mit jedem Zyklus dünner, kürzer und heller, bis sie schließlich nicht mehr sichtbar nachwachsen. Diesen Prozess nennt man Miniaturisierung. Das Ergebnis ist die androgenetische Alopezie – der erblich bedingte, hormonell verstärkte Haarausfall, der Männer wie Frauen betrifft.

Schilddrüsenhormone – oft übersehen

Sowohl eine Über- als auch eine Unterfunktion der Schilddrüse kann Haarausfall auslösen, meist einen diffusen. Gerade bei Frauen bleibt eine Schilddrüsenstörung wie die Hashimoto-Thyreoiditis lange unentdeckt, obwohl sie eine der häufigsten und zugleich am besten behandelbaren Ursachen ist.

Prolaktin und Cortisol

Ein erhöhter Prolaktinspiegel kann ebenfalls zu Haarausfall führen. Und anhaltender Stress hält den Cortisolspiegel hoch, was den Haarzyklus stört und einen diffusen, telogenen Haarausfall begünstigt. Der Volksmund liegt hier ausnahmsweise richtig: Dauerstress kann tatsächlich „auf die Haare schlagen“.

Insulin – die Verbindung zum PCOS

Bei Frauen mit einem polyzystischen Ovarialsyndrom (PCOS) spielt oft auch Insulin eine Rolle. Eine Insulinresistenz kurbelt die Androgenproduktion an und verstärkt so den hormonellen Haarausfall zusätzlich.

Haarausfall bei Frauen durch Hormone

Bei Frauen ist Haarausfall fast immer ein hormonelles Thema. Anders als bei Männern zeigt er sich selten durch Geheimratsecken, sondern durch eine allmähliche Ausdünnung am Oberkopf: Der Scheitel wird breiter, das Haar am Mittelscheitel lichter, während der vordere Haaransatz lange erhalten bleibt. Fachleute beschreiben dieses Muster nach der Ludwig-Skala.

Die häufigsten hormonellen Auslöser bei Frauen sind:

  • Wechseljahre – der mit Abstand häufigste Auslöser im mittleren Alter
  • Zeit nach der Geburt und Stillzeit – durch den plötzlichen Östrogenabfall
  • Beginn oder Absetzen der Pille – je nach Präparat
  • PCOS und andere Androgenüberschüsse – meist mit weiteren Symptomen

Wechseljahre – die häufigste Ursache im mittleren Alter

In den Wechseljahren sinkt der Östrogen- und Progesteronspiegel, während die Androgene relativ betrachtet die Oberhand gewinnen. Es entsteht ein Ungleichgewicht – nicht, weil zu viele männliche Hormone da wären, sondern weil die schützenden weiblichen Hormone fehlen. Diese relative Androgendominanz erklärt, warum viele Frauen genau in dieser Lebensphase erstmals dünneres Haar bemerken, oft kombiniert mit trockenerer Kopfhaut und feinerer Haarstruktur.

Nach der Geburt und in der Stillzeit

Während der Schwangerschaft schützt der hohe Östrogenspiegel das Haar. Nach der Geburt bricht dieser Spiegel schlagartig ein, und etwa zwei bis vier Monate später fallen viele Haare gleichzeitig aus. Dieser postpartale Haarausfall wirkt dramatisch, ist aber in der Regel vorübergehend: Nach sechs bis zwölf Monaten erholt sich das Haar meist von selbst.

Die Pille – Beginn und Absetzen

Hormonelle Verhütung greift direkt in den Hormonhaushalt ein. Pillen mit antiandrogenem Gestagen können Haarausfall sogar bremsen, während androgen wirkende ihn verstärken. Besonders häufig tritt Haarausfall nach dem Absetzen auf, weil der Körper seine eigene Hormonproduktion erst wieder hochfahren muss – ein Prozess, der Monate dauern kann.

PCOS und andere Androgenüberschüsse

Beim PCOS produziert der Körper zu viele Androgene. Neben unregelmäßigen Zyklen, unreiner Haut und vermehrtem Körperhaar zählt dünner werdendes Kopfhaar zu den typischen Anzeichen. Hier ist der Haarausfall nur ein Symptom eines größeren Zusammenhangs und sollte gemeinsam mit der Grunderkrankung behandelt werden.

Haarausfall bei Männern durch Hormone

Bei Männern ist die Sache eindeutiger: Der häufigste Haarausfall ist die androgenetische Alopezie, und DHT ist der entscheidende Faktor. Der Verlauf folgt einem charakteristischen Muster – zuerst Geheimratsecken, dann eine Ausdünnung am Hinterkopf, bis sich beide Zonen verbinden. Eingeteilt wird dies nach der Hamilton-Norwood-Skala.

Ein verbreiteter Irrtum: Männer mit erblich bedingtem Haarausfall haben nicht zwangsläufig „zu viel“ Testosteron. Ausschlaggebend ist die genetisch bedingte Empfindlichkeit der Haarwurzeln gegenüber DHT, nicht die absolute Hormonmenge. Ein Mann mit völlig normalen Werten kann starken Haarausfall haben, ein anderer mit höheren Werten volles Haar behalten. Ein bloßer Testosterontest bringt hier deshalb meist wenig.

Die verschiedenen Formen – und wie hormonell sie wirklich sind

Nicht jeder Haarausfall ist hormonell, auch wenn im Internet oft alles unter dieser Überschrift läuft. Die folgende Übersicht ordnet die häufigsten Formen ein:

Form Erscheinungsbild Hormonelle Ursache?
Androgenetische Alopezie Mustergemäße Ausdünnung (Scheitel bei Frauen, Geheimratsecken bei Männern) Ja – zentral durch DHT verstärkt
Diffuser Haarausfall (telogenes Effluvium) Gleichmäßige Ausdünnung am ganzen Kopf Teilweise – oft Schilddrüse, Stress, Eisenmangel oder Hormonschwankungen
Kreisrunder Haarausfall (Alopecia areata) Scharf begrenzte, runde kahle Stellen Nein – Autoimmunerkrankung

Der letzte Punkt verdient besondere Aufmerksamkeit, weil danach häufig gesucht wird. Der kreisrunde Haarausfall ist keine hormonelle Erkrankung. Er entsteht, weil das Immunsystem die eigenen Haarwurzeln angreift. Stress oder hormonelle Umbrüche können ihn begünstigen, doch die Ursache liegt im Immunsystem. Wer runde, klar abgegrenzte kahle Stellen bemerkt, sollte deshalb nicht die Hormone verdächtigen, sondern zeitnah einen Hautarzt aufsuchen.

Der diffuse Haarausfall wiederum ist ein Chamäleon: Er kann hormonell sein, ebenso gut aber durch Eisenmangel, Vitamin-D-Mangel, Infekte, Crash-Diäten oder Medikamente ausgelöst werden. Deshalb lohnt sich hier eine gründliche Ursachensuche, bevor man vorschnell eine Hormontherapie beginnt.

Wenn mehr dazukommt: juckende Kopfhaut und fettige Haare

Viele Betroffene beobachten neben dem Haarausfall weitere Beschwerden – und suchen gezielt nach Kombinationen.

Eine juckende Kopfhaut zusammen mit Haarausfall deutet selten direkt auf ein Hormonproblem hin. Häufiger stecken eine Entzündung, ein seborrhoisches Ekzem oder Schuppenflechte dahinter. Es besteht aber eine indirekte Verbindung: Androgene regen die Talgproduktion an, und ein fettiges, entzündetes Kopfhautmilieu kann das Haarwachstum zusätzlich belasten.

Fettige Haare hängen dagegen tatsächlich mit den Androgenen zusammen. Dieselben Hormone, die die Miniaturisierung der Haarwurzeln vorantreiben, kurbeln auch die Talgdrüsen an. Deshalb berichten manche Frauen mit hormonellem Haarausfall gleichzeitig von schneller nachfettendem Ansatz – ein Hinweis auf eine mögliche Androgenbeteiligung und ein Grund, die Hormonwerte prüfen zu lassen.

Diagnose: Welche Hormone testen lassen und welcher Arzt hilft

Bevor eine Behandlung beginnt, muss die Ursache feststehen. Haarausfall auf Verdacht mit Hormonen zu behandeln, ist wirkungslos und potenziell riskant. Welche Fachrichtung die richtige erste Anlaufstelle ist, hängt von der Situation ab:

Fachrichtung Wann sinnvoll
Hautarzt (Dermatologe) Bei jeder Art von Haarausfall – beurteilt Haar und Kopfhaut per Trichoskopie
Frauenarzt (Gynäkologe) Bei Verdacht auf Wechseljahre, PCOS oder pillenbedingte Ursachen
Endokrinologe Bei komplexen Hormonstörungen oder mehreren betroffenen Drüsen

Sinnvolle Blutwerte bei Verdacht auf hormonellen Haarausfall sind:

  • Schilddrüsenwerte (TSH, bei Auffälligkeiten fT3, fT4 und Schilddrüsenantikörper)
  • Androgene (Testosteron, freies Testosteron, DHEA-S) sowie das Bindungsprotein SHBG
  • Östrogen und Progesteron, besonders zur Einordnung der Wechseljahre
  • Prolaktin, wenn andere Ursachen ausgeschlossen sind
  • Ferritin (Eisenspeicher), Vitamin D, Zink und Vitamin B12, da Nährstoffmängel einen hormonellen Haarausfall imitieren oder verstärken können

Ein häufiges Missverständnis lautet, ein einzelner auffälliger Wert erkläre alles. In Wahrheit zählt das Gesamtbild und das Verhältnis der Hormone zueinander. Deshalb sagt die verbreitete Frage „Welches Hormon fehlt bei Haarausfall?“ allein wenig aus.

Ebenso wichtig: Sind alle Hormonwerte in Ordnung und der Haarausfall besteht trotzdem, liegt meist eine anlagebedingte Empfindlichkeit der Haarwurzeln vor. Der Ausfall ist dann hormonell vermittelt, ohne dass die Blutwerte abweichen – unauffällige Laborergebnisse schließen einen hormonellen Haarausfall also nicht aus.

Behandlung: Was wirklich hilft

Die wirksamste Strategie richtet sich immer nach der Ursache. Diese Übersicht zeigt die wichtigsten Ansätze:

Ansatz Für wen geeignet Wirkweise
Grunderkrankung behandeln Schilddrüse, Eisenmangel, PCOS Beseitigt die eigentliche Ursache
Antiandrogene Wirkstoffe Nachgewiesene Androgenbeteiligung Reduzieren DHT oder blockieren dessen Wirkung
Antiandrogene Pille / Hormonersatz Frauen (Verhütung bzw. Wechseljahre) Gleicht das Hormonungleichgewicht aus
Minoxidil Frauen und Männer, mustergemäßer Ausfall Verlängert die Wachstumsphase (nicht hormonell)
Nährstoffe & Lifestyle Ergänzend für alle Schaffen die Basis für andere Therapien

Die Grunderkrankung behandeln

Der wichtigste Schritt zuerst: Liegt eine Schilddrüsenstörung, ein Eisenmangel oder ein PCOS zugrunde, wird diese Ursache behandelt. In vielen Fällen erholt sich das Haar, sobald der Auslöser korrigiert ist – ganz ohne spezielle Haartherapie.

Hormonelle und antiandrogene Therapien

Bei nachgewiesener Androgenbeteiligung kommen antiandrogene Wirkstoffe infrage, die entweder die DHT-Bildung reduzieren oder die Androgenwirkung an der Haarwurzel blockieren. Bei Frauen werden manche „off-label“ eingesetzt, also außerhalb ihrer Zulassung, und erfordern eine sorgfältige ärztliche Begleitung – unter anderem, weil einige in der Schwangerschaft strikt vermieden werden müssen. Zusätzlich kann bei Frauen eine Pille mit antiandrogenem Gestagen helfen. In den Wechseljahren kommt eine Hormonersatztherapie infrage, deren Hauptzweck aber die Linderung von Wechseljahresbeschwerden ist – ein positiver Effekt aufs Haar ist ein möglicher Nebeneffekt, keine Garantie.

Bioidentische Hormone – eine ehrliche Einordnung

Kaum ein Begriff wird beim Thema Haarausfall so hoffnungsvoll gegoogelt wie „bioidentische Hormone“. Gemeint sind Hormone, die in ihrer molekularen Struktur exakt den körpereigenen entsprechen, etwa Estradiol oder Progesteron.

Hier ist Nüchternheit gefragt. Für bioidentische Hormone als gezielte Behandlung von Haarausfall gibt es bislang keine überzeugende, hochwertige Studienlage. Sinnvoll können sie sein, wenn sie ärztlich verordnet im Rahmen einer regulären Hormonersatztherapie eingesetzt werden. Kritisch zu sehen sind dagegen individuell in Apotheken gemischte Präparate ohne standardisierte Dosierung, wie sie in manchen Foren empfohlen werden – hier fehlt oft die Qualitätssicherung. Kurz: Bioidentische Hormone sind kein Zaubermittel gegen Haarausfall und sollten nie auf Basis von Forenberichten, sondern nur mit ärztlicher Begleitung eingesetzt werden.

Minoxidil und ergänzende Ansätze

Unabhängig von der Hormonlage ist Minoxidil der am besten untersuchte Wirkstoff gegen musterbedingten Haarausfall. Es wirkt nicht über die Hormone, sondern regt die Durchblutung an und verlängert die Wachstumsphase. Wichtig: Es wirkt nur, solange es angewendet wird. Ergänzend unterstützen eine eiweiß- und mikronährstoffreiche Ernährung, aktives Stressmanagement und der Ausgleich nachgewiesener Nährstoffmängel den Behandlungserfolg.

Was Sie selbst tun können

Auch ohne Rezept lässt sich einiges bewegen. Diese Schritte schaffen Klarheit und bereiten den Boden für eine wirksame Behandlung:

  1. Beobachten Sie das Muster. Fallen die Haare gleichmäßig aus, lichtet sich der Scheitel, oder gibt es runde kahle Stellen? Diese Beobachtung ist wertvoller als jede Ferndiagnose.
  2. Rekonstruieren Sie den Verlauf. Gab es zwei bis vier Monate zuvor ein Ereignis wie eine Geburt, das Absetzen der Pille, einen Infekt oder eine Phase extremer Belastung?
  3. Lassen Sie die Basiswerte prüfen. Schilddrüse und Eisenspeicher sind schnell getestet und häufig die eigentliche Ursache.
  4. Kümmern Sie sich um Schlaf und Stress. Ein dauerhaft erhöhter Cortisolspiegel unterläuft jede andere Maßnahme.
  5. Behandeln Sie die Kopfhaut mild. Aggressive Stylingprodukte, straffe Frisuren und häufiges Hitzestyling verschlimmern das Bild.

Häufige Fehler, die den Haarausfall verschlimmern

Immer wieder führen dieselben Muster zu unnötigem Frust:

  • Selbstbehandlung mit Hormonen ohne Diagnose – stört das Gleichgewicht oft zusätzlich.
  • Zu wenig Geduld – das Haar reagiert mit Monaten Verzögerung, erste Erfolge zeigen sich frühestens nach drei bis sechs Monaten.
  • Jeden Haarausfall für hormonell halten – der kreisrunde ist autoimmun, der diffuse oft ernährungs- oder stressbedingt.
  • Empfehlungen aus Foren ungeprüft übernehmen – was bei einer Person half, kann bei einer anderen wirkungslos oder schädlich sein.

Häufig gestellte Fragen

Welche Hormone sind bei Haarausfall am wichtigsten? Zentral sind die Androgene, insbesondere DHT, weil sie den häufigsten, musterbedingten Haarausfall antreiben. Bei Frauen kommt der Rückgang von Östrogen und Progesteron hinzu. Auch die Schilddrüsenhormone sollten immer geprüft werden, da sie diffusen Haarausfall auslösen können.

Wie hängen Hormone und Haarausfall genau zusammen? Hormone steuern die Länge der Wachstumsphase jedes Haares. Verschiebt sich das Gleichgewicht, verkürzt sich diese Phase, mehr Haare fallen gleichzeitig aus und nachwachsende werden feiner. Der Effekt zeigt sich meist erst zwei bis vier Monate nach der hormonellen Veränderung.

Können Hormone gegen Haarausfall helfen? Ja, aber nur, wenn eine hormonelle Ursache tatsächlich vorliegt und die Therapie ärztlich begleitet wird. Ohne passende Diagnose ist der Nutzen fraglich.

Ist Haarausfall in den Wechseljahren dauerhaft? Nicht zwangsläufig. Wird das Ungleichgewicht behandelt und liegt keine ausgeprägte anlagebedingte Empfindlichkeit vor, kann sich das Haar stabilisieren. Ein früher Behandlungsbeginn ist entscheidend.

Hilft es, meine Hormone beim Frauenarzt testen zu lassen? Ja, das ist ein sinnvoller erster Schritt, besonders bei Verdacht auf Wechseljahre oder PCOS. Der Frauenarzt kann die relevanten Hormone bestimmen und einschätzen, ob ein Hautarzt oder Endokrinologe hinzugezogen werden sollte.

Sind bioidentische Hormone besser gegen Haarausfall? Es gibt keinen belastbaren Beleg dafür. Sie können Teil einer regulären, ärztlich verordneten Hormontherapie sein, sind aber kein eigenständiges Mittel gegen Haarverlust.

Mein Haarausfall besteht trotz normaler Hormonwerte – wie kann das sein? Das ist häufig und kein Widerspruch. Beim anlagebedingten Haarausfall reagieren die Haarwurzeln überempfindlich auf normale DHT-Spiegel. Unauffällige Blutwerte schließen einen hormonell vermittelten Haarausfall deshalb nicht aus.

Fazit: Der Weg zur richtigen Behandlung

Hormone und Haarausfall sind untrennbar verbunden – aber selten auf die einfache Weise, die man sich wünscht. Statt nach dem einen fehlenden Hormon zu suchen, lohnt es sich, das Zusammenspiel zu verstehen: das schützende Östrogen, das oft unterschätzte DHT, die leicht übersehene Schilddrüse und den Einfluss von Stress.

Der klügste Weg beginnt nicht mit einem Präparat, sondern mit einer sauberen Diagnose. Beobachten Sie das Muster, achten Sie auf den zeitlichen Verlauf und lassen Sie die Basiswerte prüfen, bevor Sie zu Hormonen greifen. Die passende Fachperson kann klären, ob und welche hormonelle Ursache vorliegt und welche Therapie im konkreten Fall sinnvoll ist. Und dann braucht es vor allem Geduld: Das Haar reagiert langsam, im Guten wie im Schlechten.

Wenn Sie Ihren Haarausfall persönlich abklären und Ihre Möglichkeiten in Ruhe besprechen möchten, steht Ihnen das Team der Hermest Hair Clinic zur Seite. In einer individuellen Beratung lässt sich einordnen, wie weit der Haarausfall fortgeschritten ist und welche Optionen für Sie sinnvoll sind – von der Stabilisierung des vorhandenen Haars bis hin zu einer Haartransplantation, wenn sich Bereiche bereits dauerhaft gelichtet haben. Wichtig bleibt der Grundsatz dieses Ratgebers: zuerst die Ursache verstehen, dann gezielt handeln. Genau darauf legt die Hermest Hair Clinic Wert, damit Ihr Ergebnis nicht nur kurzfristig, sondern langfristig überzeugt.