Hamilton Norwood Schema – Haarausfall entschlüsselt
Betroffene des männlichen Haarausfalls stellen sich oft die Frage, ob der Haarausfall weiter fortschreitet oder ob die verbleibenden Haare Bestand haben und in welchem Stadium des Prozesses sie sich befinden. Das Hamilton Norwood Schema ist eine Darstellung, wie der typische Verlauf des erblich bedingten Haarausfalls ist. Dafür teilt es die androgenetische Alopezie in verschiedenen Stadien ein.
Welche Stadien des Haarausfalls es gibt, wie genau die Hamilton Norwood Skala funktioniert und welchen Nutzen sie hat, erfahren Sie hier. Außerdem stellen wir Ihnen kurz die Geschichte des Hamilton Norwood Schemas vor und informieren Sie, ob sie für Männer und Frauen gleichermaßen anwendbar ist, oder ob es in dieser Hinsicht einen Unterschied zwischen den Geschlechtern gibt.
Wussten Sie schon?
Rund 90 % der Patienten, die sich 2024 einer Haartransplantation unterzogen, gaben an, dass sie sich dadurch attraktiver fühlen wollten. Weitere 63 % nannten das Ziel, jünger zu wirken, um im Berufsleben konkurrenzfähig zu bleiben (Quelle: ISHRS Practice Census Report 2025, S. 18).
Geschichte des Hamilton Norwood Schemas
Bereits in den 1950er Jahren entwickelte der Endokrinologe Dr. James Hamilton die Grundlagen des Hamilton Norwood Schemas. Er erkannte dabei feste Muster, denen der männliche Haarausfall folgt und einen Zusammenhang zwischen dem Haarverlust und dem Hormon Dihydrotestosteron (DHT). Er entwickelte das ursprüngliche Stufenmodell, dessen Grundlagen Dr. O’Tar Norwood in den 1970er Jahren um weitere Stufen erweiterte. Durch die entscheidenden Beiträge, die beide Ärzte zu dem Modell lieferten, sprechen wir heute nicht vom Nnorwood Schema oder der Hamilton Skala, sondern eben vom Hamilton Norwood Schema.
Stufen des Schemas
Die Skala dient, wie beschrieben, der Einstufung des Haarausfalls. Hierfür kennt das Hamilton Norwood Schema 7 Stufen des androgenetischen Haarausfalls.
| Stufe | Charakteristik |
| Typ I | Bei Typ I gehen wir von einem gesunden Haarwuchs aus. Es besteht bei dieser Stufe kein Haarausfall. |
| Typ II | Ab Stufe 2 beginnt der erste Rückgang des Haares. Dieser ist bislang aber kaum sichtbar und äußert sich ausschließlich in der ersten Bildung von leichten Geheimratsecken. |
| Typ III | Ab Stadium III beginnt der klinisch relevante Haarausfall. Die Geheimratsecken prägen sich aus und werden deutlicher. Außerdem kann das Haar auf dem oberen Kopf beginnen, sich auszudünnen. Der Haarverlust gilt als frontal und temporal. |
| Typ IV | Der Haarverlust vorn beschränkt sich nicht mehr auf Geheimratsecken, sondern bildet sich weiter aus. Auch der Scheitelbereich hinten (oberer Hinterkopf) ist betroffen, wobei kahle Stellen noch durch eine breite Haarbrücke getrennt sind. |
| Typ V | Es sind keine weiteren Stellen betroffen, die Haarbrücke dünnt sich aber aus und die beiden betroffenen Regionen bewegen sich aufeinander zu. |
| Typ VI | Die beiden Regionen sind nun kaum noch durch Haar getrennt und der Haarstreifen dazwischen ist fast nicht mehr existent, sodass es annähernd wie eine große kahle Stelle wirkt. |
| Typ VII | Bei Stufe 7 ist die Haarbrücke gänzlich verschwunden. Es verbleibt ausschließlich der hufeisenförmige “Ehrenkranz” an den Seiten des Kopfes und dem Hinterkopf. |

Warum verwendet man diese Skala/Warum ist sie wichtig?
Durch die Hamilton Norwood Skala kann genetisch bedingter Haarausfall in Stufen unterteilt werden. Das ist sowohl für die Diagnose, als auch für die Therapieplanung von großer Wichtigkeit. Je nachdem, wie fortgeschritten der Haarverlust ist, kann es sinnvoller sein, eine Haartransplantation durchzuführen, medikamentös zu behandeln oder sogar abzuwarten, bis konkrete Schritte ergriffen werden.
Außerdem ermöglicht es das Modell, einheitlich genormte Studien zur Wirksamkeit von bestimmten Behandlungsmethoden durchzuführen. Nicht zuletzt hilft das Modell es Ihnen als Patient und Betroffener zu verstehen, wie sich der Haarausfall entwickeln kann und an welchem Punkt der Reise Sie sich aktuell befinden. Wofür die Skala nicht geeignet ist, ist abschließend festzustellen, ob der Haarausfall genetisch bedingt ist. Hierfür ist eine professionelle Untersuchung bei einem Facharzt notwendig.
Kann dieses Schema bei Frauen angewendet werden?
Nein, das Schema lässt sich auf Frauen nicht anwenden. Das liegt daran, dass der Haarausfall bei Frauen weniger klaren Mustern folgt und sich durch andere Symptome äußert. So bilden sich bei Frauen in der Regel keine kahlen Stellen, sondern das Haar wird im Stirnbereich und am oberen Kopf dünner. Es gibt allerdings eine ganze Reihe von Modellen, die sich gezielt mit dem weiblichen Haarausfall beschäftigen. Dazu gehören:
- Ludwig-Skala
- Olsen-Skala
- Savin-Skala
- Sinclaire-Skala
Wann ist eine Haartransplantation sinnvoll?
Eine Haartransplantation in der Türkei ist ab Typ III des Hamilton-Norwood-Schemas sinnvoll, da ab dieser Stufe ernsthafte Auswirkungen des Haarausfalls erkennbar sind. Vorher ist der Haarverlust gering bis nicht vorhanden und ein Eingriff wäre verfrüht oder zumindest nicht wirklich notwendig. Bei sehr weit fortgeschrittenen Haarausfall (Stufe 6 und 7) ist eine Haartransplantation immer noch sinnvoll, der Behandlungserfolg wird aber geringer ausfallen, als wenn Sie frühzeitig reagieren und Sie sollten Ihre Erwartungshaltung den Möglichkeiten entsprechend überdenken.
Neben der aktuellen Stufe gibt es noch weitere Faktoren, die für eine Haartransplantation relevant sind. Dazu gehört, dass der Haarausfall stabil ist. Das bedeutet, dass seit etwa 2 Jahren ein stabiler Haarbestand vorhanden ist und der Haarverlust damit aktuell nicht fortschreitet. Wenn der Haarausfall sich aktuell noch weiter ausbreitet, kann eine Haartransplantation zu unnatürlich aussehenden Ergebnissen führen und die Notwendigkeit späterer Folgeeingriffe ist nicht auszuschließen. Außerdem wird die Behandlungsplanung erschwert.
FAQs
Ab welcher Stufe spricht man von starkem Haarausfall nach dem Hamilton-Norwood-Schema?
Ab Stufe 4 beginnt der Haarausfall stark zu werden und ist kaum noch zu übersehen. Die Stufen 5, 6 und 7 sind von weiter fortschreitendem Haarausfall gekennzeichnet. Bei Stufe 7 ist nur noch ein dünner Haarkranz übrig.
Wie zuverlässig ist das Hamilton-Norwood-Schema zur Diagnose von androgenetischer Alopezie?
Das Hamilton-Norwood-Schema ist ein überaus geeignetes Werkzeug, um das Fortschreiten des Haarausfalls einzustufen. Es trifft aber alleinstehend keine Aussage darüber, ob der Haarausfall genetisch bedingt ist. Es ist also in jedem Fall notwendig, einen Arzt zu kontaktieren, um eine verlässliche Diagnose zu erhalten. Dieser kann feststellen, ob der Haarausfall tatsächlich genetisch bedingt ist, oder ob andere Ursachen zugrunde liegen.
Kann sich die Einstufung im Laufe der Zeit verändern?
Ja, es ist sogar der Regelfall, dass der Haarausfall im Laufe der Jahre fortschreitet. Haarausfall entwickelt sich meist progressiv und in vielen Fällen verbleibt der Haarbestand nicht beim alten Stand. Daher ist es sinnvoll, in regelmäßigen Abständen eine neue Klassifizierung vorzunehmen.
Welche Rolle spielt das Alter bei der Anwendung des Hamilton-Norwood-Schemas?
In der Regel schreitet der Haarausfall in jungen Jahren schneller voran. Sie verlieren also schneller und mehr Haare, je jünger Sie sind. Wenn Sie hingegen bereits älteren Alters sind, ist der Haarausfall oft konstant und Sie verbleiben länger oder dauerhaft in einem Stadium.